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Fachstelle

Bis vor kurzem wurden gehörlose/hörbehinderte Kinder und Jugendliche überwiegend in einer Sonderschule unterrichtet. Heute steht die integrative Schulung in Regelklassen im Vordergrund. Die Bildung verläuft in erster Linie (einseitig) in der gesprochenen Sprache mit Ablesen, Hörtraining und technischen Hilfsmitteln, aber ohne Gebärdensprache. Auch in der Elternberatung ist die Bilinguale Bildung sowie der Einbezug von Gebärdensprache kaum ein Thema. Zahlreiche neuere wissenschaftliche Untersuchungen zeigen aber, dass diese bisherige Ausrichtung nicht immer erfolgreich ist, die Sprachentwicklung und damit die Kommunikation und Bildung verzögert und eingeschränkt ist. Heute weiss man, dass der frühzeitige und gleichwertige Erwerb von Gebärdensprache neben der gesprochenen Sprache die optimale Grundlage für die kognitive, sprachliche, psychosoziale und emotionale Entwicklung eines gehörlosen/hörbehinderten Kindes auf dem Weg zu einem selbstbestimmten Leben ist.

Aus diesem Grund wird im Kanton Graubünden ein Pilotprojekt für eine Fachstelle für die Bilinguale Bildung gehörloser/hörbehinderter Kinder und Jugendlicher lanciert. Nach der Diagnose Hörbehinderung wird den Eltern der Heilpädagogische Dienst Graubünden HPD GR als Beratungsstelle empfohlen und dort wird neu auf diese Fachstelle mit ihren Angeboten und Dienstleistungen aufmerksam gemacht. Eine hörende Fachperson und zwei hörbehinderte Experten werden die Bedeutung der Bilingualen Bildung (Gebärdensprache und gesprochene Sprache) aufzeigen. Hörbehinderte als Betroffene sind Experten in eigener Sache und informieren über die Bedeutung der Gebärdensprache und der gesprochenen Sprache in der Bewältigung des Alltags. Die Eltern bekommen so umfassende Informationen, die sie für eine gute Entscheidung zum Wohl ihres Kindes benötigen. Zugleich wird von der Fachstelle die Sensibilisierung der Öffentlichkeit zum Thema Hörbehinderung und Bilinguale Bildung im Kanton Graubünden forciert.